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Wahrheit oder Wahrhaftigkeit? Ein Plädoyer fürs Hinsehen.


Wie so oft ging ich heute spazieren. Ich traf eine Freundin, wieder und wieder zum philosophieren. Schön, Gleichgesinnte zu treffen, gerade in diesen Zeiten, und überhaupt auch sonst. Gleichgesinnt meint nicht gleichgeschaltet. Aber mutig genug, sich Fragen zu stellen, über Dinge die sind, wenn man sehen will.Der Mittag war schwanger, von Sonne und leuchtendem Winterherbst. Müder Wind tänzelte Blätter am Parksee auf. Hütten und Cafés geschlossen, Menschen die es geniessen. Ruhe und Weite und weiteres. Und einem kreativen Luxushotel entlockt man nebenbei und unverstellt Köstlichkeiten aus Orange, Nuss und Können. Feine Fertigkeit mit dem Wunsch, Gäste zu verzaubern, weil Zauber fehlt. So Glitzern im Gespräch mit dem Mann davor all unsere Augen und wir sehen was Freude bringt, kurzweilig Freunde sein lässt. Schöner Moment. Und dann gingen wir weiter. Neben der Parkbank eine fast zärtlich sich zum Gebüsch hin verrenkende Maus, die wohl auch nur Nahrung sucht. In der Sichtachse golden thront unsere Berliner Goldelse auf der Siegessäule. Ja!

Wir sprachen.Was ich in mir trug waren Erfahrungen, Erlebtes aus Wochen und Tagen zuvor. Unschöne Erinnerungen, Dinge die mich beschäftigen. Was meine Gegenüber mir in anderen Dingen auch schilderte und wir vernehmen es von wahren Freunden auch. Freunde tun so gut. Erst neulich schrieb mir jemand ein Zitat , einer Art dieser digitalen inflationären Nervsprüche und doch war dieser voller Liebe fürs Mensch sein… auch ein Appell! Ich erinnere mich: „ zwei Tiere gehen miteinander spazieren, fragt das Eine das Andere… was ist wichtiger- der Weg oder das Ziel? Antwort: der mit dem Du gehst, dein Begleiter. “ Wunderbar! 

Wir gingen also.Ich erzählte eine Beobachtung, neulich am See auf dem Land. Ein Fischer deutet mir das Schauspiel. Ein schöner roter Milan, Jagdvogel, seine eingespitzte Schwanzfeder und der kraftvolle Flug. Er umkreiste sein Nest. Und dann waren da zwei Krähen, mürrisch, laut, plump um Aufmerksamkeit bemüht. Plötzlich wilder Angriff. Die Krähen den Milan?! Sollten diese ollen Krähen eine Chance haben? Der Fischer erzählte es- die Krähen halten zusammen. Eine lenkt ab, streitet mit dem schönen Vogel und die andere zerstört das Nest des Milan. Natur so hart? Jetzt verstand ich es „Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus“. Ja- so ists. Das ist was uns u.a. die Wende und Nachwendezeit leerte, was politische und wirtschaftliche Strukturen, Hierarchien bis heute hervorbringen. Oftmals sich gut getarnt im Alltag zeigt.

Ist das Natur gegeben? Ist es nun richtig oder falsch? Sind Gesetzmässigkeiten richtig? Was meint richtig oder falsch, was ist „wahr“? Und vor allem treibt uns die Frage nach WAHRHAFTIGKEIT. Welche Rolle nimmt ein jeder selbst dazu ein, wie gelingt es, Wahrhaftig (Definition?) zu sein?

Wir kommen ins Diskutieren. Endlos, herrlich. Zeit, nach Definitionen zu gründen, Definitionen braucht es.Nur dann verstehen wir langsam alle, wovon wir sprechen, wenn um Gespräch bemüht.Und natürlich kann man nur einladen, sich Gedanken zu machen, sich eigene Gedanken zu machen! Dinge wurden nur verändert durch neu denken, wollen. Zuvor muss man Hinsehen, Hinfühlen, Hinterfragen. Wir erleben in unserem Umfeld eine Spaltung. Verhärtete Meinungen, verhärtete Argumente. Die Idee, ganz neues zu schaffen wie schon in Goethes „Faust“ literarisch angelegt, scheint eine weite Utopie oder bleibt verkleidet im Wohlstandsgesäusel. Und ja dieses ist was mich mitunter selbst einlullt. Ich schäme mich selbst oft, bequem geworden zu sein, statt zu rebbelieren für freien Geist, wie grosse Künstler aller Zeiten.Und daher tut dieser Spaziergang und das Reden und freie Denken so gut.

Gut was noch geht. Im Privaten, in Deutschland. Gerade in der Vorweihnachtszeit, den Weihnachtstagen mit der biblischen Geschichte im Hintergrund und dem folgend kommenden Jahr, könnte es doch eine gute Zeitschleuse sein, wirklich zu REFLEKTIEREN. Mutig, ehrlich, authentisch zu sich selbst. Die Idee – in den Spiegel zu schauen. Schön!Und was dann an inneren Antworten auf alle Fragen zur Zeit, zur Gesellschaft, zum Arbeitsumfeld, zum Privaten, alle den Dingen auftauchen wird, könnten im besten Falle Anfänge sein… WAHRHEIT und WAHRHAFTIG zu deuten.

Wir auf unserer Sonntagsbank wünschen uns diesen eigenen Weg.Und ich wünsche mir diesen für meine Begleiter im Leben. Gestallten wir neues- miteinander!

Es war ein „krasses Jahr“! Was kommt wird anders.

Dieses Jahr wurde mit mir ein Interview geführt, welches nächstes Jahr im Kontext eines neuen, sinn-vollen Projekts erscheinen wird. „Der Aroma Seismograph“ Darin schaffte die begnadete Autorin Verena Kleinselbeck in fast therapeutischer Weise, mir Aussagen und Selbstreflektionen zu entlocken. Dinge die mir selbst erst so bewusst wurden. 

„ Wer mäandert ist bereit, verschlungene Pfade zu betreten… . Mäandern, das heißt den Schleier zu lüften und Wahrheiten ins Auge zu sehen. Es ist die unbedingte Hingabe an das Innehalten… . Im imaginären Fernglas siehst Du Dich selbst in ganzer Schönheit –fernab von kalkuliertem Denken, jenseits der Norm. Der Kompass? Bist Du.“ 

Und weil alles nicht neu ist, schreibe ich auch hier nochmal dieses Zitat aus einer früheren Zeit. Ein Plädoyer fürs Hinsehen:

„Jedes Naturgesetz das sich dem Beobachter offenbart, lässt auf ein höheres noch unerkanntes schliessen. „ Alexander von Humboldt ( 1769-1859 )

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